Literaturverwaltung: Zotero, Citavi und Co. im Vergleich
Welches Programm passt zu Studium und Forschung? Zotero, Citavi, JabRef, Mendeley und EndNote im Überblick, mit Kriterien für die Wahl.
Eine Literaturverwaltung speichert Quellen, PDFs und Notizen an einem Ort und erstellt Zitate und Literaturverzeichnisse automatisch im gewünschten Zitierstil. Die verbreitetsten Programme sind Zotero, Citavi, JabRef, Mendeley und EndNote. Welches passt, hängt vor allem von Betriebssystem, Textprogramm, Budget und davon ab, ob die Hochschule eine Lizenz stellt. Dieser Vergleich ordnet die Programme ein und gibt eine Entscheidungshilfe. Wie man beim Lesen Zitate und Notizen festhält, erklärt der Bereich Zitate und Exzerpte.
Was eine Literaturverwaltung leistet
- Quellen erfassen: per ISBN, DOI, Browser-Erweiterung oder Import aus Bibliothekskatalogen und Datenbanken, statt alles von Hand abzutippen.
- PDFs verwalten: Dateien zum Eintrag ablegen, lesen, markieren und kommentieren.
- Zitieren: im Textprogramm Quellen einfügen und das Literaturverzeichnis automatisch erzeugen.
- Zitierstile wechseln: etwa von APA auf einen Fakultätsstil, ohne alle Angaben neu zu formatieren.
- Wissen ordnen: Schlagwörter, Sammlungen und Notizen, bei manchen Programmen auch Zitate und Gliederungen.
Die Programme im Überblick
| Programm | Plattformen | Kosten | Textprogramme | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Zotero | Windows, macOS, Linux, dazu Apps für Mobilgeräte | kostenlos, quelloffen; zusätzlicher Cloud-Speicher kostenpflichtig | Word, LibreOffice, Google Docs | sehr gute Browser-Erweiterung, große Auswahl an Zitierstilen, viele Plugins |
| Citavi | Desktop-Version für Windows, dazu webbasierte Version | kostenpflichtig, an vielen Hochschulen über Campuslizenz | Word, bei der Desktop-Version auch LaTeX-Unterstützung | starke Wissensorganisation mit Zitaten, Gedanken und Gliederung |
| JabRef | Windows, macOS, Linux | kostenlos, quelloffen | LaTeX über BibTeX und BibLaTeX, eingeschränkt auch Textprogramme | arbeitet direkt mit BibTeX-Dateien |
| Mendeley | Desktop-Anwendung und Weboberfläche | kostenlose Grundversion | Word über Add-in | gehört zum Wissenschaftsverlag Elsevier, soziale Funktionen |
| EndNote | Windows, macOS | kostenpflichtig, teils über Hochschullizenzen | Word | in Medizin und Naturwissenschaften verbreitet |
Funktionsumfang, Preise und Plattformen ändern sich mit neuen Versionen. Vor der Entscheidung lohnt ein Blick auf die Seite des Anbieters und auf die Angebote der eigenen Universitätsbibliothek.
Zotero
Zotero ist ein quelloffenes Programm und in vielen Fächern der Standard für alle, die keine Lizenz brauchen oder plattformunabhängig arbeiten. Die Browser-Erweiterung erkennt auf Katalogseiten, in Datenbanken und auf vielen Verlagsseiten die bibliografischen Angaben und übernimmt sie mit einem Klick. Zitierstile liegen im offenen Format CSL vor, es gibt eine sehr große Auswahl, darunter viele deutschsprachige Hochschulstile.
Stärken: kostenlos, offen, für alle großen Betriebssysteme, gute Word- und LibreOffice-Anbindung, aktive Gemeinschaft.
Grenzen: Wissensorganisation über Notizen, Schlagwörter und Sammlungen ist solide, aber weniger strukturiert als bei Citavi. Der kostenlose Online-Speicher für Anhänge ist begrenzt.
Citavi
Citavi stammt aus der Schweiz und ist im deutschsprachigen Hochschulbereich weit verbreitet, auch weil viele Universitäten Campuslizenzen bereitstellen und Kurse anbieten. Neben der Literaturverwaltung bietet das Programm eine ausgeprägte Wissensorganisation: Zitate, Zusammenfassungen und eigene Gedanken lassen sich als einzelne Wissenselemente erfassen, Kategorien zuordnen und zu einer Gliederung für die eigene Arbeit zusammenstellen.
Stärken: Wissens- und Aufgabenplanung in einem Programm, deutschsprachige Oberfläche und Hilfe, Schulungen an vielen Hochschulen.
Grenzen: Die klassische Desktop-Version läuft nur unter Windows, auf dem Mac wird meist die webbasierte Version oder eine Virtualisierung genutzt. Ohne Hochschullizenz fallen Kosten an.
JabRef
JabRef verwaltet Literatur direkt in BibTeX- oder BibLaTeX-Dateien. Damit passt es ideal zu einem Schreibprozess in LaTeX, wie er in Mathematik, Informatik und Physik verbreitet ist. Die Oberfläche ist nüchtern, dafür bleibt die Literaturdatenbank eine Textdatei, die sich versionieren und mit anderen teilen lässt.
Mendeley und EndNote
Mendeley bietet eine kostenlose Grundversion mit Weboberfläche und Word-Add-in und wird vor allem dort genutzt, wo Arbeitsgruppen schon damit arbeiten. Die Desktop-Software wurde in den vergangenen Jahren umgestellt, ältere Anleitungen beziehen sich teils auf eine Version, die nicht mehr weiterentwickelt wird. EndNote ist ein kostenpflichtiges Programm, das besonders in Medizin und Naturwissenschaften verbreitet ist und oft über Lizenzen von Kliniken oder Hochschulen bereitsteht.
Entscheidungshilfe
| Ausgangslage | Naheliegende Wahl |
|---|---|
| Mac oder Linux, kein Budget | Zotero |
| Windows, Hochschule mit Citavi-Lizenz, viel Wissensorganisation gewünscht | Citavi |
| Schreiben in LaTeX | JabRef oder Zotero mit BibTeX-Export |
| Arbeitsgruppe nutzt bereits ein Programm | dasselbe Programm, um Gruppenbibliotheken zu teilen |
| Medizin, Klinik mit EndNote-Lizenz | EndNote |
| Literaturdaten sollen langfristig unabhängig bleiben | Zotero oder JabRef wegen offener Formate |
Literaturverwaltung und Notizen
Eine Literaturverwaltung ist kein vollwertiges Notizsystem, aber ein guter Ort für Exzerpte zu einzelnen Quellen. Wie ein Exzerpt mit Kopf, Kernaussagen und Kommentar aufgebaut ist, zeigt die Anleitung Exzerpt schreiben.
Viele kombinieren die Literaturverwaltung mit einer Notiz-App für eigene Gedanken. Zotero lässt sich über Erweiterungen mit Notiz-Apps wie Obsidian oder Zettlr verbinden, sodass Literaturnotizen mit Quellenangabe in die eigene Sammlung wandern. Welche kostenlosen Programme dafür in Frage kommen, stellt die Übersicht kostenlose Notiz-Apps vor.
Einstieg in fünf Schritten
- Lizenzlage klären: Auf der Seite der Universitätsbibliothek nachsehen, welche Programme angeboten und geschult werden.
- Programm installieren: samt Browser-Erweiterung und Plugin für das Textprogramm.
- Zitierstil wählen: den Stil des Instituts oder der Zeitschrift einstellen. Gibt es keinen Vorgabestil, nachfragen.
- Erste Quellen importieren: fünf bis zehn Titel aus dem Katalog übernehmen und die Angaben stichprobenartig prüfen. Automatisch erfasste Daten enthalten gelegentlich Fehler.
- Testdokument anlegen: ein paar Zitate einfügen und ein Literaturverzeichnis erzeugen. So zeigt sich früh, ob alles funktioniert.
Typische Fehler
- Importierte Daten nicht prüfen: fehlende Seitenzahlen oder falsche Groß- und Kleinschreibung fallen sonst erst im Literaturverzeichnis auf.
- Kurz vor der Abgabe wechseln: Ein Programmwechsel kann Zitierfelder im Dokument unbrauchbar machen. Besser zu Beginn entscheiden.
- Keine Sicherung: Die Datenbank gehört in die regelmäßige Datensicherung, auch wenn ein Cloud-Abgleich läuft.
- Alles sammeln: Nur aufnehmen, was gelesen wurde oder sicher gelesen wird. Sonst wächst eine Bibliothek, die eher belastet als hilft.
Fragen und Antworten
- Ist Zotero wirklich kostenlos?
- Die Software selbst ist kostenlos und quelloffen. Kostenpflichtig ist nur zusätzlicher Online-Speicher für PDFs und Anhänge, wenn der kostenlose Speicherplatz für die Synchronisation nicht reicht. Literaturdaten ohne Anhänge lassen sich ohne Aufpreis synchronisieren, Anhänge können alternativ über einen eigenen WebDAV-Speicher abgeglichen werden.
- Bekomme ich Citavi über meine Hochschule?
- Viele Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten Citavi über eine Campuslizenz an. Ob das für die eigene Hochschule gilt, steht meist auf den Seiten der Universitätsbibliothek. Dort finden sich oft auch Einführungskurse.
- Kann ich von einem Programm zum anderen wechseln?
- Ja, die gängigen Programme können Literaturdaten in Austauschformaten wie RIS oder BibTeX exportieren und importieren. Titel, Autorinnen und Autoren und Jahr kommen dabei meist sauber an. Notizen, Zitate, Kategorien und Verknüpfungen mit PDFs gehen beim Wechsel dagegen oft teilweise verloren und sollten geprüft werden.
- Brauche ich für eine Hausarbeit überhaupt eine Literaturverwaltung?
- Bei wenigen Quellen geht es auch ohne. Spätestens ab etwa einem Dutzend Titeln oder bei mehreren Arbeiten lohnt sich ein Programm, weil es Literaturverzeichnisse automatisch im gewünschten Zitierstil erstellt und Quellen über Jahre wiederverwendbar macht. Die Einarbeitung dauert meist nur wenige Stunden.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion IdeaNotes.