Handschriftliche Notizen

Anki einrichten: Digitale Karteikarten für Einsteiger

Von der Installation bis zur ersten Wiederholung: wie Anki aufgebaut ist, welche Kartentypen es gibt und welche Einstellungen Einsteiger wirklich brauchen.

Anki ist eine kostenlose Lernkarten-Software, die Karten nach dem Prinzip der verteilten Wiederholung abfragt: Was man gut kann, kommt seltener, was man vergessen hat, kommt bald wieder. Eingerichtet ist sie in einer halben Stunde. Diese Anleitung zeigt die sechs Schritte vom Download bis zur ersten Lernsitzung und erklärt, welche Einstellungen Einsteiger anfassen sollten und welche nicht.

Das Grundprinzip kennen viele vom analogen Karteikasten. Wie die Lernkartei mit Fächern funktioniert, beschreibt der Beitrag zum Leitner-System. Anki macht im Kern dasselbe, rechnet die Abstände aber für jede Karte einzeln aus und nimmt einem das Umsortieren ab.

Wie Anki aufgebaut ist

Drei Begriffe sollte man kennen, bevor man loslegt, weil sie in der Oberfläche ständig vorkommen:

Begriff Bedeutung
Stapel Sammlung von Karten zu einem Thema, etwa „Spanisch“ oder „Anatomie“. Stapel lassen sich verschachteln.
Notiz Der Inhalt, den man eingibt, zum Beispiel ein Wort und seine Übersetzung.
Karte Die Abfrage, die aus einer Notiz entsteht. Eine Notiz kann mehrere Karten erzeugen.

Der Unterschied zwischen Notiz und Karte ist der wichtigste Gedanke in Anki. Wer eine Vokabel in beide Richtungen lernen will, legt nicht zwei Karten an, sondern eine Notiz mit einem Notiztyp, der automatisch eine Vorder- und eine Rückrichtung erzeugt. Ändert man später die Notiz, ändern sich beide Karten mit.

Schritt 1: Anki installieren

Anki gibt es für mehrere Plattformen:

  • Windows, macOS, Linux: kostenlose Desktop-Version, herunterzuladen auf der offiziellen Anki-Seite.
  • Android: AnkiDroid, eine kostenlose, von Freiwilligen entwickelte App, die mit Anki kompatibel ist.
  • iPhone und iPad: AnkiMobile, die offizielle App, die einmalig kostenpflichtig ist.
  • Browser: Über AnkiWeb lassen sich Karten auch ohne Installation wiederholen, allerdings mit weniger Funktionen.

Für den Einstieg empfiehlt sich die Desktop-Version. Karten schreiben, Stapel ordnen und Einstellungen anpassen geht mit Tastatur und großem Bildschirm deutlich bequemer. Gelernt wird später oft auf dem Smartphone.

Schritt 2: Ein AnkiWeb-Konto für die Synchronisation anlegen

Wer auf mehreren Geräten lernen will, braucht ein kostenloses Konto bei AnkiWeb. Nach der Anmeldung im Desktop-Programm genügt ein Klick auf „Synchronisieren“. Beim allerersten Abgleich fragt Anki, welche Seite maßgeblich ist. Wer bisher nur auf einem Gerät Karten hat, lädt von diesem Gerät hoch und auf allen anderen herunter. Danach gleicht Anki Änderungen bei jedem Start und Beenden ab.

Ein Hinweis für Vorsichtige: Die Desktop-Version legt zusätzlich automatisch lokale Sicherungen an. Wer seine Sammlung über Jahre aufbaut, sollte trotzdem gelegentlich über „Datei“ und „Exportieren“ eine vollständige Sicherung als Datei ablegen. Allgemeine Überlegungen dazu stehen im Beitrag Notizen synchronisieren.

Schritt 3: Den ersten Stapel anlegen

Über „Stapel erstellen“ entsteht ein leerer Stapel. Für den Anfang gilt: lieber wenige, breite Stapel als viele kleine. Ein Stapel „Spanisch“ ist besser als zwanzig Stapel für jede Lektion, denn Anki mischt innerhalb eines Stapels ohnehin nach Fälligkeit. Wer später feiner ordnen will, kann Unterstapel anlegen (etwa „Spanisch::Verben“) oder Schlagwörter vergeben. Schlagwörter haben den Vorteil, dass eine Karte mehreren Themen zugeordnet sein kann.

Schritt 4: Karten schreiben und den passenden Notiztyp wählen

Beim Hinzufügen einer Notiz wählt man oben den Notiztyp. Die wichtigsten Standardtypen:

Notiztyp Erzeugt Geeignet für
Einfach eine Karte: Vorderseite fragt, Rückseite antwortet Fakten, Definitionen, Fragen
Einfach (mit umgekehrter Karte) zwei Karten, beide Richtungen Vokabeln, Begriffspaare
Einfach (Antwort eingeben) eine Karte, Antwort wird getippt Rechtschreibung, exakte Begriffe
Lückentext je Lücke eine Karte Sätze, Formeln, Aufzählungen
Bildverdeckung je verdecktem Bereich eine Karte Diagramme, Landkarten, Abbildungen

Die deutschen Bezeichnungen können je nach Version leicht abweichen. Beim Lückentext markiert man ein Wort und drückt die Lückentext-Schaltfläche. Anki setzt dann eine Markierung wie {{c1::Mitochondrien}}. Mehrere Lücken mit unterschiedlichen Nummern ergeben mehrere Karten aus einem einzigen Satz.

Regeln für gute Karten

Die Qualität der Karten entscheidet stärker über den Lernerfolg als jede Einstellung. Bewährt haben sich diese Grundsätze:

  • Eine Frage, eine Antwort. Eine Karte fragt genau eine Information ab. „Nenne die sieben Schritte der Zellteilung“ ist zu groß, sieben einzelne Karten oder ein Lückentext funktionieren besser.
  • Erst verstehen, dann lernen. Karten zu Stoff, den man nicht verstanden hat, werden zu Auswendiglernen ohne Zusammenhang. Erst lesen und mitschreiben, dann Karten anlegen.
  • Eigene Worte. Wer die Frage selbst formuliert, hat den Stoff dabei schon einmal verarbeitet.
  • Kontext mitgeben. Eine kurze Angabe wie „(Biologie, Zelle)“ verhindert, dass eine Frage mehrdeutig ist.
  • Bilder nutzen, wo sie helfen. Ein Foto, eine Skizze oder ein Ausschnitt aus einer Grafik lassen sich direkt in das Feld einfügen.

Wer bereits handschriftliche Karteikarten hat, muss diese nicht abtippen. Oft reicht es, die schwierigsten Karten zu übernehmen und den Rest analog weiterzulernen. Größere Listen lassen sich als Textdatei mit Trennzeichen über „Datei“ und „Importieren“ einlesen.

Schritt 5: Tageslimits und Lernschritte einstellen

Die Stapeloptionen öffnet man über das Zahnrad neben dem Stapel. Einsteiger sollten nur wenige Werte anfassen:

Einstellung Bedeutung Empfehlung für den Start
Neue Karten pro Tag wie viele unbekannte Karten täglich dazukommen 10 bis 20
Maximale Wiederholungen pro Tag Obergrenze für fällige Karten hoch lassen, damit sich nichts aufstaut
Lernschritte kurze Abstände für neue Karten am ersten Tag Standard belassen
Planungsverfahren Methode, nach der Anki Abstände berechnet Standard oder FSRS (siehe unten)

Neuere Anki-Versionen bieten neben dem klassischen Planungsverfahren den Algorithmus FSRS an, der die Abstände anhand der eigenen Lernhistorie schätzt. Er lässt sich in den Stapeloptionen einschalten. Für den Anfang funktioniert beides. Wichtiger ist, die Zahl der neuen Karten realistisch zu wählen: Jede neue Karte zieht in den folgenden Wochen mehrere Wiederholungen nach sich. Wer täglich 50 neue Karten aufnimmt, hat nach kurzer Zeit eine Wiederholungslast, die kaum noch zu schaffen ist.

Schritt 6: Lernen und ehrlich bewerten

Beim Lernen zeigt Anki die Vorderseite. Man überlegt die Antwort, deckt die Rückseite auf und bewertet sich mit einer von vier Schaltflächen, in der deutschen Oberfläche etwa „Nochmal“, „Schwer“, „Gut“ und „Einfach“. Daraus berechnet Anki den nächsten Termin.

  • Nochmal: Die Antwort war falsch oder kam nicht. Die Karte kommt in kurzem Abstand erneut.
  • Schwer: Richtig, aber nur mit Mühe. Der Abstand wächst wenig.
  • Gut: Richtig mit normalem Nachdenken. Das ist die Standardbewertung.
  • Einfach: Sofort gewusst. Der Abstand wächst stark.

Der häufigste Fehler ist, sich zu gut zu bewerten. Wer eine halb gewusste Antwort mit „Gut“ bestätigt, sieht die Karte erst wieder, wenn sie längst vergessen ist. Ehrlichkeit kostet am Anfang etwas Zeit und spart sie später.

Eine tägliche Routine, die durchhält

Anki wirkt nur, wenn die fälligen Karten regelmäßig erledigt werden. Bewährt hat sich ein fester Zeitpunkt, etwa nach dem Frühstück oder auf dem Arbeitsweg. Zehn bis zwanzig Minuten täglich bringen mehr als eine lange Sitzung am Wochenende.

Checkliste für die ersten zwei Wochen:

  • Desktop-Version und App auf dem Smartphone installiert, beide mit AnkiWeb synchronisiert
  • ein Stapel pro großem Thema, keine Stapel pro Kapitel
  • neue Karten auf 10 bis 20 pro Tag begrenzt
  • täglich zuerst die fälligen Wiederholungen, dann neue Karten
  • schwierige Karten umformulieren oder aufteilen, statt sie immer wieder zu wiederholen
  • nach zwei Wochen prüfen, wie viele Minuten pro Tag nötig sind, und das Limit anpassen

Karten, die man immer wieder vergisst, markiert Anki nach einer Reihe von Fehlern als „Lernbremse“ und setzt sie je nach Einstellung aus. Das ist ein Signal, dass die Karte schlecht formuliert ist oder das Verständnis fehlt. Hier hilft es, die Karte aufzuteilen, ein Beispiel zu ergänzen oder den Stoff noch einmal im Zusammenhang nachzulesen.

Anki im Lernalltag einordnen

Anki ist ein Werkzeug zum Behalten, nicht zum Verstehen. Den Stoff erschließt man vorher, etwa beim Mitschreiben im Studium oder beim Exzerpieren. Erst danach werden die prüfungsrelevanten Einzelheiten zu Karten. Wer lieber mit Papier lernt, kann ebenso gut eine analoge Lernkartei führen. Eine Übersicht über weitere Werkzeuge ohne Kosten, auch für Notizen jenseits des Lernens, bietet der Beitrag zu kostenlosen Notiz-Apps. Weitere Formen des Lernens mit Stift und Karte versammelt der Bereich handschriftliche Notizen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist Anki kostenlos?
Die Desktop-Version für Windows, macOS und Linux ist kostenlos und quelloffen, ebenso AnkiDroid für Android und die Synchronisation über AnkiWeb. Die offizielle App für iPhone und iPad, AnkiMobile, ist dagegen kostenpflichtig und finanziert die Weiterentwicklung mit.
Wie viele neue Karten pro Tag sind sinnvoll?
Für den Einstieg eignen sich 10 bis 20 neue Karten pro Tag. Jede neue Karte erzeugt in den folgenden Wochen mehrere Wiederholungen. Wer zu viele neue Karten aufnimmt, hat nach kurzer Zeit einen Berg fälliger Wiederholungen.
Kann ich fertige Stapel anderer Nutzer verwenden?
Ja, auf AnkiWeb gibt es geteilte Stapel zu vielen Themen. Sie sparen Zeit, passen aber oft nicht genau zum eigenen Stoff. Selbst geschriebene Karten lernt man meist leichter, weil schon das Formulieren eine erste Wiederholung ist.
Was passiert, wenn ich ein paar Tage nicht lerne?
Die fälligen Karten bleiben stehen und sammeln sich. Am besten arbeitet man den Rückstand über einige Tage ab und setzt neue Karten so lange auf null. Anki berücksichtigt bei der nächsten Bewertung, dass seit der letzten Wiederholung mehr Zeit vergangen ist.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion IdeaNotes.