Evernote-Alternativen: Welche App passt nach dem Umstieg?
Gratistarif zu knapp, Abo zu teuer, Daten zu sehr beim Anbieter? Diese Apps übernehmen Evernote-Notizen und passen zu unterschiedlichen Arbeitsweisen.
Wer Evernote verlassen möchte, findet mit Joplin den Ersatz, der dem gewohnten Aufbau aus Notizbüchern, Tags und Webclipper am nächsten kommt. Für andere Arbeitsweisen passen Obsidian, OneNote, Notion oder Apple Notizen besser. Entscheidend ist weniger die Funktionsliste als die Frage, wo die Notizen künftig liegen sollen und wie gut der Import gelingt.
Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Alternativen ein, erklärt den Umzug Schritt für Schritt und nennt die typischen Stolperstellen. Einen allgemeinen Vergleich aller großen Programme bietet die Übersicht Notiz-Apps im Vergleich.
Warum viele Evernote verlassen
Evernote war über viele Jahre der Standard für digitale Notizen. In den letzten Jahren haben sich die Bedingungen deutlich verändert. Der kostenlose Tarif ist seit Ende 2024 nach Angaben des Anbieters auf 50 Notizen und ein Notizbuch begrenzt, für ernsthafte Nutzung ist damit ein Abo nötig. Hinzu kommen Preisanpassungen und ein Eigentümerwechsel, nach dem viele Nutzer die langfristige Ausrichtung der App neu bewerten.
Typische Gründe für den Wechsel sind:
- Kosten: Das Abo lohnt sich nicht, wenn Evernote nur als Notizablage dient.
- Abhängigkeit: Alle Notizen liegen in der Cloud des Anbieters in einem eigenen Format.
- Arbeitsweise: Wer Gedanken verknüpfen möchte, vermisst Backlinks und Verlinkung auf Augenhöhe.
- Datenschutz: Evernote bietet keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Notizen.
Die Alternativen im Überblick
| App | Speicherort | Evernote-Import | Stärke | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Joplin | lokal, Sync über eigene Wahl | ja, ENEX | Notizbücher, Tags, Webclipper, optional verschlüsselt | Open Source, optionaler Cloud-Dienst |
| Obsidian | lokale Markdown-Dateien | ja, über offizielles Import-Plugin | Verlinkung, Backlinks, Plugins | App kostenlos, Sync und Publish kostenpflichtig |
| OneNote | Microsoft-Cloud | kein offizieller Weg mehr, nur über Umwege | freie Seiten, Stifteingabe | ohne Aufpreis, Speicher im Microsoft-Konto |
| Notion | Cloud des Anbieters | ja, eingebauter Import | Datenbanken, Teamarbeit | Gratistarif für Einzelpersonen, Teams zahlen |
| Apple Notizen | iCloud oder lokal | ja, ENEX auf dem Mac | schnell, systemweit verfügbar | ohne Aufpreis, Speicher in iCloud |
| UpNote | Cloud des Anbieters | ja | sehr ähnliche Oberfläche wie Evernote | kostenpflichtig mit Testphase |
Preise und Tarife ändern sich häufig. Maßgeblich sind die aktuellen Angaben der Anbieter.
Joplin: der direkte Ersatz
Joplin übernimmt das Grundprinzip von Evernote fast unverändert: Notizbücher mit Unterbüchern, Tags, Anhänge, Volltextsuche und ein Webclipper für den Browser. Notizen werden in Markdown geschrieben, ein Editor mit Formatierungsleiste ist ebenfalls vorhanden. ENEX-Dateien lassen sich direkt importieren, wahlweise als Markdown oder im HTML-Format, das die Optik näher am Original hält.
Für die Synchronisierung wählt man selbst: ein eigener WebDAV-Server, verbreitete Cloud-Speicher oder der kostenpflichtige Dienst des Projekts. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung lässt sich zuschalten. Joplin ist damit die erste Wahl für alle, die den Evernote-Arbeitsstil behalten, aber unabhängiger werden wollen.
Obsidian: Wechsel zu lokalen Dateien
Obsidian speichert jede Notiz als Markdown-Datei in einem Ordner auf dem eigenen Rechner. Das offizielle Import-Plugin wandelt Evernote-Exporte in Dateien um, Tags bleiben als Tags erhalten, Anhänge landen in einem Unterordner. Der eigentliche Gewinn liegt in der Verlinkung: Notizen werden mit doppelten eckigen Klammern verbunden, Backlinks zeigen, wo eine Notiz erwähnt wird.
Wer Evernote vor allem als Ablage für Belege und PDFs genutzt hat, muss umdenken. Obsidian ist eher ein Werkzeug zum Denken und Schreiben als ein Dokumentenarchiv. Wie man es als Wissenssammlung einrichtet, zeigt der Beitrag zum digitalen Zettelkasten. Wie die Notizordner zwischen Geräten abgeglichen werden, erklärt der Artikel Notizen synchronisieren.
OneNote: freie Seiten statt Listen
OneNote ordnet Inhalte in Notizbücher, Abschnitte und Seiten. Auf jeder Seite lassen sich Text, Bilder und Handschrift frei platzieren. Das passt zu Menschen, die mit Stift und Tablet arbeiten oder Inhalte gern räumlich anordnen. Microsoft hatte früher ein eigenes Werkzeug zum Import aus Evernote angeboten, ein offizieller, gepflegter Weg steht derzeit nicht zuverlässig zur Verfügung. Wer viele Notizen mitnehmen möchte, sollte das vor dem Wechsel prüfen.
Notion: Datenbanken und Zusammenarbeit
Notion hat einen eingebauten Import für Evernote, der Notizbücher als Seiten oder Datenbanken übernimmt. Seine Stärke ist die Struktur: Leselisten, Projektübersichten oder Rezeptsammlungen lassen sich als Datenbank mit Eigenschaften und Filtern anlegen. Für Teams mit gemeinsamen Arbeitsbereichen ist Notion eine naheliegende Wahl. Wie bei Evernote liegen die Daten in der Cloud des Anbieters.
Apple Notizen: wenn es schlicht bleiben soll
Im Apple-Umfeld ist Apple Notizen oft schon ausreichend. Die App bietet Ordner, Tags, intelligente Ordner, Dokumentenscan und Notizlinks. Auf dem Mac lassen sich ENEX-Dateien über den Import im Ablage-Menü übernehmen. Wie man die App gut organisiert, beschreibt der Beitrag zu Apple Notizen.
Weitere Optionen
- UpNote: sehr nah an der Evernote-Oberfläche, mit Notizbüchern und Tags, kostenpflichtig.
- Standard Notes und Notesnook: für alle, denen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung am wichtigsten ist. Details dazu im Artikel Notizen verschlüsseln.
- Google Keep: nur für kurze Notizen und Listen, nicht für große Archive.
Weitere Programme ohne Abo stellt die Übersicht kostenlose Notiz-Apps vor.
Welche Alternative passt zu wem?
| Bisherige Nutzung von Evernote | Passende Alternative |
|---|---|
| Notizbücher und Tags, Webclipper, gemischte Inhalte | Joplin |
| Gedanken sammeln, schreiben, verknüpfen | Obsidian |
| Mitschriften mit Stift, Schule, Studium | OneNote |
| Projekte, Listen, Team | Notion |
| Schnelle Alltagsnotizen auf iPhone und Mac | Apple Notizen |
| Vertrauliche Inhalte | Standard Notes, Notesnook oder Joplin mit Verschlüsselung |
Der Umzug in fünf Schritten
- Aufräumen: Vor dem Export alte, doppelte und leere Notizen löschen. Was nicht mitkommen muss, verursacht auch keine Importfehler.
- Exportieren: In der Desktop-App von Evernote jedes Notizbuch einzeln als ENEX-Datei exportieren. Eine Gesamtdatei ist möglich, macht die Zuordnung danach aber schwerer.
- Probeimport: Ein kleines Notizbuch mit typischen Inhalten importieren, also Text, Bilder, PDFs, Checklisten und Tabellen. Danach prüfen, was fehlt.
- Vollimport: Wenn das Ergebnis stimmt, die übrigen Notizbücher übernehmen. Die ENEX-Dateien als Sicherung aufbewahren.
- Parallelphase: Einige Wochen lang neue Notizen nur noch in der neuen App anlegen und Evernote lediglich lesend nutzen. Erst danach das Konto kündigen.
Typische Stolperstellen
- Interne Links: Verweise zwischen Evernote-Notizen werden nicht von jedem Import aufgelöst. Wichtige Links sollte man nach dem Import stichprobenartig testen.
- Gestapelte Notizbücher: Die Stapel-Ebene geht bei manchen Importen verloren. Ein Präfix im Notizbuchnamen hilft, die Struktur nachzubauen.
- Erinnerungen und Aufgaben: Diese Funktionen werden selten übernommen. Offene Aufgaben gehören vorher in eine Aufgaben-App.
- Gescannte Dokumente: Die Texterkennung von Evernote steckt nicht immer im Export. In der neuen App müssen Scans unter Umständen erneut erkannt werden.
Fazit
Den reibungslosesten Wechsel bietet Joplin, weil es Evernote im Aufbau am ähnlichsten ist und die Daten unabhängig bleiben. Wer den Wechsel nutzt, um seine Arbeitsweise zu ändern, findet in Obsidian ein starkes Werkzeug für verknüpftes Wissen. OneNote, Notion und Apple Notizen sind gute Ziele, wenn man ohnehin im jeweiligen Umfeld arbeitet. In jedem Fall gilt: erst ein Probeimport, dann der Umzug.
Fragen und Antworten
- Wie exportiere ich meine Notizen aus Evernote?
- In der Desktop-App von Evernote lassen sich Notizbücher oder ausgewählte Notizen als ENEX-Datei exportieren. Diese Datei ist ein offenes XML-Format, das viele andere Apps importieren können. Am besten wird jedes Notizbuch einzeln exportiert, damit die Struktur beim Import erhalten bleibt.
- Gehen beim Wechsel Tags und Anhänge verloren?
- Tags, Anhänge und Erstellungsdaten stecken in der ENEX-Datei und werden von den meisten Import-Werkzeugen übernommen. Häufiger gehen interne Links zwischen Notizen, komplexe Tabellen oder Formatierungen verloren. Ein Probeimport mit einem kleinen Notizbuch zeigt, was die neue App übernimmt.
- Welche Evernote-Alternative ist kostenlos?
- Joplin ist quelloffen und kostenlos, Obsidian ist in der Nutzung kostenlos und berechnet nur optionale Dienste wie Sync. OneNote, Apple Notizen und Google Keep sind ohne Aufpreis nutzbar, aber an das jeweilige Konto und dessen Speicher gebunden.
- Gibt es eine Alternative mit gutem Webclipper?
- Joplin, OneNote und Notion bieten eigene Browser-Erweiterungen zum Speichern von Webseiten. Für Obsidian gibt es ebenfalls einen offiziellen Web Clipper, der Seiten als Markdown-Datei im Notizordner ablegt.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion IdeaNotes.